So richtig wach wurde ich, als etwas an meinem Bett vorbei auf Boden flog. Ich bin gewohnt tausende Eidechsen, Frösche und fliegende Mäuse als Zimmernachbarn zu haben. Aber keine von denen fällt plump auf den Boden. Ich mache die Augen auf und sehe süße grüne Schlange. Keine Sorgen, ich glaube, es war keine grüne Mamba. Ich vermute, es war Wasserschlange (dessen Gift bestimmt nicht zum Tod führt ;-), die zu verwechseln ähnlich der grünen Mamba aussieht. Sie war nicht weniger erschrocken als ich. Und als ich die Tür aufmachte, huschte sie raus ins Freie.
Nachdem ich so richtig wach wurde, machte ich mich auf den Weg in die Stadt, um die letzten Besorgungen vor Weihnachten zu erledigen. Als ich in den Bus einstieg, sah ich einen Priester dort predigen. Er ging durch das Bus, legte seine Hand auf die Köpfe der Insassen und bettete. Als ich an der Reihe war, entstand eine kleine Diskussion zwischen dem Prediger und mir…
In der Stadt stellte ich fest, dass alle Geschäfte geschlossen waren, samt meinem Lieblingsinternetcafé. Ein netter Junge sah mich so hilflos da stehen und schlug mir vor ein anderes zu zeigen. Ich weiß, dass man keinem Unbekannten trauen soll, vor allem hier in Afrika. Hmm… OK, ich werde schon checken, wenn der mich reinlegen will. Also, folgte ich ihm. Nach einer Zeit fand ich mich am Rande der Stadt in ziemlich ungemütlicher Gegend. Die Leute blickten unfreundlich, die Gassen wurden eng. Komme ich hier raus? Ich weigerte weiter zu gehen und wollte zurück in die Stadt, da ich kein Internetcafé in dem Kaff vermutete. Tja, wenn du zurück willst, sollst zahlen. Na ja, wenn nur das ist. Ich gab ihm die Kohle und bat ihn sehr freundlich mich in Ruhe zu lassen. Ich würde den Weg selber finden. Nach kleinem Schock wanderte ich zurück. Irgendwann kam ich am Strand raus. Wie cool. Ich wollte nicht mehr in die Stadt zurück. So blieb ich am Strand und beobachtete die Fischer… Zwei große Männer trugen großes Netz ins Wasser, spannten ihn dort und zogen es raus…
Nach einer Weile kam ich in die Stadt doch zurück. Oh Gott, was war da los. Alle Straßen waren von der bewaffneten Polizei und Militär gesperrt. Tausende jubelten. Da erfuhr ich, dass in wenigen Minuten hier der Präsident von Kenia auftauchen würde. Die Leute jubelten und riefen den Namen des Präsidenten. Polizei beruhigte die Leute und stoppte den Verkehr rigoros. Dann kamen tausende Militärwägen mit diversen Politikern inne. In einem offenen Landrover stehend fuhr der Präsident und begrüßte die Leute auf der Straße. Er war in einem Meter an mir vorbei gefahren!!! HAMMER!!!
Danach traf ich den alten bekannten – Charles (seit Koloniezeit tragen unglaublich viele Menschen hier typisch englische Namen). Er war grade einkaufen und lud mich zum Mittagsessen ein. Da es sich hier nicht gehört die Einladungen abzuschlagen, wurde ich von einem Kikuju (der meist verbreitete Stamm in Kenia) mit einem sehr leckeren traditionellen Kikuju-Essen bekocht.
Als ich nach Hause kam, wartete auf mich das lang ersehnte Geschenk – ein selbst gemachter Messer. Ich habe mir schon lange ein echtes Messer gewünscht und heute Abend habe ich es endlich bekommen!!! Zur Info, kein Mensch hier geht ohne Messer in den Busch. Es ist einfach sorglos. Ab jetzt bin ich richtig ausgestattet! Ich werde ihn, wie es sich gehört, an der Hüfte tragen!!!
Ich liebe Kenia und meine neue Freunde hier!!!
Frohe Weihnachten!!!
Sei ganz herzlich gegrüßt,
deine Polina =)
Montag, 24. Dezember 2007
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2 Kommentare:
Nur schade, dass der Präsident ein genauso großes kleptokratisches Arschloch ist wie in den meisten anderen Ländern Afrikas...
Liebe Polina,
schön das Du nun auch ein Messer hast; ich hätte übrigens bei der Schlange nicht mehr weiter gewusst und wäre glaube ich sofort abgreist ;). Insofern bewundernswert Deine Erfahrungen. Hoffe konntest die Weihnachtstage gut genießen. Liebe Grüße Kalle
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