Nach Malaria will ich wieder in die Stadt. Wegen den politischen Unruhen fallen Benzinlieferungen aus, so dass heute kein Bus gibt. Ich bin zur Hälfte zu Fuß gegangen und dann habe einen Tuk-Tuk (eine Art Taxi) genommen. Kurz vor der Stadt sehe ich große Menschenversammlung. Demonstration wegen des unbeliebten Präsidenten Kibaki – denke ich mir. Als wir an der Seite vorbei gefahren sind, wusste ich, warum so viele Menschen versammelt waren. Das war keine Demonstration. Ich habe was gesehen, was ich nicht sehen wollte und sollte. Ich habe was gesehen, was ich wirklich nicht verstanden habe. Normalerweise sage ich allen, dass es für mich keinen Unterschied zwischen den Menschen in Afrika und Europäern, Amerikaner, sonst jemand gibt. Ich sage jedem, dass ich dieselben Gefühle und Bedürfnisse habe und das ich auch mal glücklich mal traurig sein kann… Das, was ich gesehen habe, stößt an die Grenzen meines Verstehens. Menschen sind hier bereit krasse, abnormale Dinge zu machen…
Da die Justiz so korrupt ist und die Bürger nicht vor Verbrecher schützt, richten die Menschen selber über die. Stehlen ist hier eine der schlimmsten Verbrechen. Klar, wenn der Dieb das letzte Essen stiehlt und ich nicht meine Familie ernähren kann, droht mir und meiner Familie der Tod. Den Dieb erwische ich mehrmals. Bringe ihn mehrmals zur Polizei. Aber sie lässt ihn laufen. Dann platzt mir einmal der Kragen und ich urteile über ihn selber.
Die Menschen schnappen den Dieb und verbrennen ihn lebendig. Das war, was ich auf der Straße gesehen habe – eine verbrannte Leiche. Das Bild geht mir nicht aus dem Kopf. Ich hätte mir gewünscht davon nichts zu wissen. Und wenn ich mit den mich umgebenen Menschen darüber rede, wundern sie sich, dass es mich so erschüttet. Es sei doch die richtige Strafe für einen Dieb…
Es mag furchtbar klingen, aber nach sehr langem Nachdenken fange ich an zu verstehen. Das erschreckt mich selber. Aber vielleicht habe ich in der Hitze mein Verstand verloren…
Das Bild in meinem Gedächtnis erschüttert mich trotzdem zutiefst…
Samstag, 5. Januar 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen