Freitag, 25. April 2008

Nairobi, Kibera …

Meine erfolgreiche (auch in finanzieller Hinsicht) Tätigkeit bei meinem Lieblingsunternehmen erlaubte mir einen Flugticket (110 US $ hin und zurück) nach Nairobi. Ich wollte unbedingt die Hauptstadt sehen, um einen runden Bild über Kenia zu haben. Und ich wollte die Menschen in Kibera – dem größten Slum Afrikas, der durch die Fernsehernachrichten im letzten halben Jahr und durch so viele Gewaltvorfälle bekannt geworden ist, - besuchen.

Für einen Notfall bekam ich ein Paar Telefonnummern von Verwandten meiner Freunde, die mir in Nairobi helfen sollen. Am ersten Abend suchten wir sehr lange nach einer Unterkunft. Es war Abend und alle Hotels waren bereits ausgebucht… bis wir irgendwann ein Loch für 12 EUR fanden. Dort schlief ich angezogen und war bereit besser Malaria zu bekommen, als das Moskitonetz anzufassen. Aber ich war in Nairobi!

In Wikipedia habe ich mich ausführlich über die Stadt informiert und freute mich auf die Kühle, die für die Europäer doch so angenehm sein soll. Vielleicht bin ich kein Europäer mehr, aber seit der Ankunft fühlte ich mich nicht besonders. Deswegen verbrachte ich den nächsten Tag eher sitzend in einem Café. Erst gegen vier, nach Tausenden Kaffee und Cola war ich bereit aufzubrechen. Wir beschlossen nach Kibera zu fahren. Vom Regierungsquartier (im Herzen von Nairobi) bis zu Kibera ist keine Viertel Stunde Busfahrt. Beim Aussteigen ist mir wieder so schlecht geworden, dass wir gezwungen waren das Krankenhaus aufzusuchen. Einerseits war ich auch froh die Gelegenheit zu haben, das Krankenhaus von Kibera zu sehen. Wie alle anderen Patienten, musste ich mich in die Schlange anstellen. Irgendwann war ich dran. Hmm… unglaublich niedriger Blutdruck. Vielleicht Malaria? Ja, schon wieder. Für den Arztbesuch zahlt man je nachdem 0,5 – 2 EUR. Der Rest finanziert die Regierung. Hier in Kibera bekommt man sogar die Medikamente umsonst, was ansonsten ehe Ausnahme ist. Es liegt an der Unterstützung der Hilfsorganisation in Kibera. Und trotzdem nicht alles gefällt mir hier. Es gibt nur einen Arzt, der die Kranken empfängt. Und dort gibt es echt eine Menge Kranken!!!

Nach Medikamenten geht es mir wieder gut. Noch kurz bevor es wirklich dunkel wird, will ich Kibera sehen. Ich will nicht auf der „Hauptstraße“ bleiben. Ich will richtig in den Slum reingehen. Die meisten Menschen, die hier leben, sind Luo, wie der Oppositionsführer und heutige Ministerpräsident von Kenia – Raila Odinga. Deswegen ausgerechnet hier gab und gibt es bis heute noch Gewaltausbrüche. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass diese unglaublich freundlichen Leute so ohne Grund gewalttätig werden können. Fast auf jedem Haus (wenn man das als Haus bezeichnen kann, ehe Hütte, die wie aus Lego aus unterschiedlichen Bauteilen einfach so zusammengestellt ist und scheint bei einem stärkerem Windstoß zu zerfallen) sehe ich Aufschriften: „Keep Peace!“, „Wenden Sie keinen Trenngas an!“, „Lassen Sie uns im Frieden leben!“. Würden die Menschen einfach so so was auf ihre Häuser schreiben, ohne jeglichen Grund, um dann einfach so gewalttätig zu werden? Ich glaube dem Ganzen nicht.

Beim Vorbeigehen grüßen mich alle Leute. Und ich antworte zurück. Kinder fragen, ob ich nicht ein Foto machen kann. Aber klar doch. Bis jetzt habe ich nicht getraut meine Digicam auszupacken. Ich bin doch nicht hier im Zoo! Aber Kinder fotografiere ich gerne. Wir laufen weiter. An jeder Ecke bleibe ich stecken. Einmal spreche ich mit Schulmädchen. An uns vorbei läuft ihrer Englischlehrer. Am Bahnübergang werde ich mit ihm in langes Gespräch verwickelt. Später am Straßenrand sehe ich, dass die Leute Fisch aus dem Viktoria-See verkaufen. Lass uns doch hier Fisch kaufen. Seit Kindheit kenne ich diese kleinen Fische, die ich schon mal selber gefangen habe. Dann brät man sie und isst zusammen mit den Krätten. Das hat mein Opa mir beigebracht. Du kennst das nicht? Hier in Kenia machen die Leute dasselbe. Sie wundern sich jedes Mal, wenn sie mich Fisch essen sehen. „Guck mal, die Weiße isst Fisch“. Und dann antworte ich ihnen auf Suaheli, dass ich das seit Kindheit mache. Sie lachen.

Langsam wird dunkel. Wir hoffen den Bus zurück in die Stadt zu erwischen. Bei Einfahrt in Kibera sehe ich drei große Militärwägen. Die Polizisten sind zum Angriff bereit. Ich glaube nicht, dass die Leute die Polizisten angreifen. Vielleicht verteidigen sie sich nur. So gerne spricht aber keiner darüber. In der Ukraine während der orangenen Revolution habe ich so was Ähnliches erlebt. Aber es waren „meine“ Leute, und ich wusste, wie stark die sind. Hier kommt mir das unheimlich unfair und gewalttätig seitens Regierung vor!

Als wir in Nairobi ankommen, regnet es in Strömen. Ich bin so müde, ich konnte in jede Pfütze fallen und dort schlafen. Wir müssen aber einen weiteren Bus nach Embakasi nehmen. Heute übernachte ich in Militärdivision. Warum? Erzähle ich dir in ein Paar Tagen.

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