Dienstag, 30. November 2010

Welt-AIDS-Tag

Am 1. Dezember 1988 wurde von der WHO zum ersten Mal der Welt-AIDS-Tag  ausgerufen. An diesem Tag  erinnern verschiedene Organisationen um den Globus an das Thema Aids und rufen dazu auf, aktiv zu werden und Solidarität mit Infizierten, Kranken und den ihnen Nahestehenden zu zeigen. UNAIDS stellt diesen Tagjedes Jahr unter ein anderes Motto. In diesem Jahr steht der Welt-AIDS-Tag unter dem Motto: "Stop Aids: Keep the Promise".
Deutschland nimmt das UNAIDS-Motto auf und führt es weiter: „Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung. Für uns selbst und andere“. Nicht nur die Politik, sondern jeder Einzelne trägt Verantwortung für sich selbst und andere. Jeder kann etwas tun, aber nur gemeinsam können wir im Kampf gegen HIV und Aids und für das Leben und die Gesundheit der Menschen etwas erreichen.
Ich möchte diesen Tag zur Anlass nehmen und euch, meine Kollegen, von der Situation in Tadschikistan berichten.
Der erste Fall der HIV-Infektion in Tadschikistan wurde 1991 registriert. Am 1. Mai 2005 wurden 544 HIV-infizierten Menschen in Tadschikistan festgestellt, davon 460 Männer und 84 Frauen. Die Verbreitung der HIV-Infektion hat 2007 14,3 Fälle pro 100.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 49 Jahre erreicht. In dem Land mit etwa sieben Millionen Einwohnern sind laut Gesundheitsministerium 2007 309 Neuinfektionen registriert worden. Den Schätzungen von UNAIDS nach gibt es in Tadschikistan mittlerweile bis zu 18.000 HIV-Infizierte.
Die Anzahl der mit der Infektion lebenden Menschen variiert zwischen den Regionen: am meisten ist der Virus in der Hauptstadt Duschanbe (50,5 auf 100.000 Einwohner zwischen 15 und 49 Jahre) und in GBAO (48,7 auf 100.000 Einwohner zwischen 15 und 49 Jahre) verbreitet. In Khorog beträgt die Verbreitung unter der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahre 0,35%.
Die erste Verbreitung des HI-Virus in Tadschikistan fand unter den intravenösen Drogenkonsumenten statt. Der gemeinsame Gebrauch von Spritzen ist der häufigste Übertragungsweg für HIV/AIDS: die Übertragungsraten von HIV können unter injizierenden Drogenkonsumenten innerhalb von 1-2 Jahren von 0 bis 50-60 % ansteigen. Mangelndes Wissen über genaue Risiken und Übertragungswege spielen ebenso eine Rolle wie unzureichender Zugang zu Gesundheitsangeboten. So sind zum Beispiel Spritzentauschprogramme ebenso selten wie HIV-Tests, Kondome und gezielte medizinische Behandlung. Die Beschaffungskriminalität, darunter vor allem die Prostitution, sowie eine durch den Drogenkonsum bedingte höhere Risikobereitschaft sind weitere Gründe für ein rasches Ausbreiten der Epidemie.
Neben Drogenkonsum und Prostitution ist Gastarbeit eines der größten Ansteckungsrisiken. Männer, die in Russland das Geld für die Familie verdienen, bringen immer häufiger auch das HI-Virus mit nach Hause.
„Als ich es erfahren habe, war ich in Panik, völlig schockiert. Ich wollte niemanden sehen, niemanden hören. Ich habe nicht nur an Selbstmord gedacht, ich wollte mich zusammen mit meinen Kindern umbringen. Aber wenn ich Selbstmord begehe, was werden dann die Leute sagen?” – erzählt Mawajuda. Eine zarte 45jährige Frau, mit Lederjacke und lila Lidschatten, der den Blick auf ihre eingefallenen Augenhöhlen lenkt. Mawajuda ist nicht ihr richtiger Name, denn sie hat Angst vor Entdeckung.
Ihre drei Kinder im Teenager-Alter haben sie vom Selbstmord abgehalten. Doch bis heute wissen sie nicht, dass sie ihre Mutter fast verloren hätten, wissen nicht, warum sie sich vor vier Jahren von ihrem Mann getrennt hat und zu ihren Eltern zurückgekehrt ist.
Auch Mawajudas Eltern ahnen nichts von dem wahren Grund. Mawajuda ist seit vier Jahren mit HIV infiziert und mittlerweile an AIDS erkrankt. Aus Angst, dass sich ihre Kinder von ihr abwenden, die Eltern sie aus dem Haus werfen könnten, verschweigt sie ihrer Familie bis heute, dass sie krank ist. Dabei wohnt sie mit Eltern und Kindern unter einem Dach und ihr Gesundheitszustand hat sich sichtbar verschlechtert.
Mehr als eine Million junger Tadschiken verlassen jährlich ihre Heimat, um im Ausland den Unterhalt für ihre Familien zu verdienen. Russland - das beliebteste Ziel tadschikischer Gastarbeiter - ist nach den Ländern im südlichen Afrika die Region mit den meisten neuen HIV-Infektionen. Bis zu 1,6 Millionen Menschen könnten allein in Russland mit HIV infiziert sein, schätzt UNAIDS. Damit verglichen sind die Zahlen in Tadschikistan sehr niedrig.
Besonders gefährdet sind die Frauen in Tadschikistan. Denn das Land ist von patriarchalischen Familienstrukturen geprägt,
„Über Sex oder über HIV zu reden, ist ein Tabu. Es scheint fast so, als ob es in der Republik Tadschikistan keinen Sex gibt. - Durch unsere Traditionen haben die Frauen weniger Möglichkeiten, ihre Gesundheit zu schützen, weil sie von den Männern wirtschaftlich abhängig sind. Auch die Möglichkeiten, auf ein Kondom zu bestehen, sind beschränkt. Wenn die Ehefrau das von ihrem Mann verlangt, schlägt er sie eher.”
Doch es gibt Chancen beim Kampf gegen AIDS. Das Land ist erst im Anfangsstadium der Epidemie. Es gibt Möglichkeiten, eine größere Ausbreitung zu verhindern. Tadschikistan engagiert sich stark bei der Bekämpfung von HIV und AIDS. 2007 wurde ein nationales Präventionsprogramm verabschiedet. Und bis zum Jahr 2010 will die tadschikische Regierung rund 50 Millionen US-Dollar für die Aufklärung aufwenden.
Eine UNAIDS Studies hat gezeigt, dass das Wissen um Übertragungswege und Schutzstrategien selbst im Gesundheitswesen erschreckend gering ist. Infizierte Kinder dürfen keine Kindergärten und Schulen besuchen, Betroffene verlieren ihre Arbeit, und in Krankenhäusern wird ihnen die Behandlung verwehrt.
Was können wir dagegen machen? Ein gutes Beispiel vorleben, über das Thema sprechen, die Betroffenen nicht aus unserem Kreis ausschließen.
Hier findet ihr Adressen der AIDS-Zentren in Tadschikistan, in denen es kostenlose HIV-Tests, Beratung, Hilfe und Behandlung gibt:
РЦ СПИД, г. Душанбе, ул.Дехоти, 48 (территория Диагностического центра),
Тел.доверия -234 22 24; 234 34 42
Городской центр СПИД, г. Душанбе, ул.Навои, 4, тел.доверия 235 63 89;
г.Худжанд, ул.Северовосточная промзона, тел.(3422) 52515;5 40 76
г. Хорог,ул.50-летие Хорог,44, тел. (3522) 264 81
г. Кургантюбе, ул.А.Сино, тел. (3222) 342 32
г.Куляб, ул.Борбад, 40, тел. (3322) 323 19

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