Freitag, 25. April 2008

Der wahre Wert des Wassers

Den wahren Wert erfährt man erst dann, wenn es zu knapp wird.

Ich spreche vom Wasser. Vor einigen Wochen hatten wir Regen, viel Regen. Wir dachten, dass die Regenzeit angefangen hat und freuten uns wie die Kinder. Seit diesen Tagen ist aber kein Wassertropf mehr gefallen. In den langen Monten der Trockenzeit verbrutzelte

die Sonne all das Wasser aus dem Boden, verwandelte das saftige Grün in ein farbloses ausgetrocknetes Gewächs.

Wie alle hier, bekommen wir das Wasser aus dem privaten Brunnen. Pro 20 L zahle ich etwa 5 Cent. Die Frauen im Dorf kaufen das Wasser und tragen das in 20-L-Kanister auf dem Kopf. Ich hab noch keinen Mann hier gesehen, der das Wasser trägt (Er würde dadurch seine Würde verlieren! Ist doch Frauensache!). Für die kleinen Mädchen gibt es 10-L-Kanister. Wie praktisch! Lass doch die Kinder arbeiten! Wofür haben wir sie sonst gezeugt?! Ich habe mich dran gewöhnt zu sehen, dass die Kleinen alles im Haushalt machen: Dienen (!), Kochen, Putzen, Waschen, für die kleinen Babys sorgen. Ich kann mich aber nicht an den Gedanken gewöhnen, dass es in Ordnung sei. Ganz und gar nicht, aber wie willst du das den Eltern eintrichtern, wenn sie nichts andres in deren Kindheit erfahren haben, und wenn es doch so bequem ist, eine kleine Haushälterin daheim zu haben.

Aber ich habe mich von dem Thema abgedriftet. Ich wollte eigentlich vom Wassermangel sprechen. In letzter Zeit kam oft kein Tropf aus dem Brunnen. Wir blieben ohne Wasser. Wäsche waschen, Dusche nehmen? Vergiss es. Das Wasser wird nur für das Nötigste verbraucht!

Einmal kam ich nach Malindi und wunderte mich, dass Mitte der Woche alle Geschäfte und auch mein Internetcafé geschlossen waren. Warum? Ich dachte, ich habe mich verhört, als jemand sagte: „Kein Wasser“. Ist doch klar, wenn es nichts zum Trinken gibt, gehst du doch nicht zur Arbeit, sondern versuchst das Wasser aufzutreiben.

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