Die letzte Woche in Kenia fiel mir schwer. Die Leute haben mir auch nicht leicht gemacht den Abschied zu nehmen. Alle fragten überall: „Wann kommst du wieder? Bist du in einem Monat zurück?“ - „Bald…“ Ich wusste sonst nicht was ich sagen soll. Ich kam nach Kenia, weil ich etwas suchte. Vieles habe ich gefunden. Vor allem gute Freunde. Der Weg der Suche ist allerdings nicht zu Ende. Ich habe im letzten halben Jahr oft meinen Schwächen und Ängste direkt ins Gesicht gesehen. Ich habe mir viel Gedanken über die Gerechtigkeit, über die Verteilung der Ressourcen, über die möglichen Hilfsprojekte gemacht. Ich habe selber gefühlt, dass wenn man krank und hungrig ist, kaum was übrig für den anderen hat. Traurig, aber ich muss mit mir so leben, wie ich bin, auch wenn ich mir anders zu sein wünsche. Ich habe verstanden, nur mit einem Dach über dem Kopf, mit Essen auf dem Tisch, gesund ist man im Stande dem anderen zu helfen. Wenn man das Leben der Menschen lebt, dieselben Probleme löst, beschäftigt man sich zu sehr mit sich selber. Ich habe auch verstanden, dass ich kein Helfertyp bin, auch wenn ich mir das so wünsche. Aber was will ich gegen meine Natur machen? Soll ich mich zu etwas zwingen, was nicht meins ist? Ich bin dann nicht sicher, dass ich jemandem damit helfe. Ich habe aber die Menschen verstanden, die Probleme verstanden. Ich habe verstanden, dass es falsch ist, als Weißer, als Kluger, als Überlegener zu kommen und Sachen auf die Beine zu stellen. Die Leute müssen selber drauf kommen. Die Entwicklung muss von den Afrikanern kommen. Unsere Aufgabe ist das Wissen zu vermitteln, die Möglichkeiten zu geben. Die Entscheidung müssen die Leute selber treffen. Und es geht auch nicht so ums Geld. Das Land hat Geld. Es geht darum, dass es keine Umverteilung gibt, dass der Staat seine Aufgabe nicht erfüllt. Warum sollen dann die Hilfsorganisationen kommen und die Aufgaben des Staates erfüllen. Warum können diese Hilfsorganisationen nicht mit dem Staat auseinandersetzen, dass der seine Aufgaben erfüllt???
Es geht doch darum, dass die Menschen Bildung bekommen, um Entscheidungen in politischen und sozialen Sicht treffen zu können.
Anstelle einer großen Hilfsorganisation würde ich eine unabhängige Universität gründen. Ich würde talentierte Jugendliche dort aufnehmen, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund, vom Ursprung, von der finanziellen Situation. Als Hilfsorganisation würde ich selbstverständlich alle Kosten tragen. Die Studenten müssten aber ehrenamtliche Aufgaben dafür übernehmen, damit sie den Wert ihrer Ausbildung nicht vergessen. An dieser Uni würde ich wichtige Dinge lehren: Medizin und Pharmazie, Veterinär- und Ackerbaukunde, Ingenieurwesen, Bauwesen und Architektur… all die Bereiche, die in Afrika so benachteiligt sind. Und ich würde strenge Aufsicht haben und alle Betrug- bzw. Korruptionsversuche streng bestrafen. Ich weiß ja schließlich, wie man eine Universität abschließen kann ohne zu denken, ohne wissenschaftliche Methoden und jegliche Kenntnisse gelernt zu haben!!! Ich würde internationale Dozenten einladen, sie an dieser Uni forschen und lehren lassen. Dann könnten die Absolventen in eigenem Land selber so viel bewegen, ohne permanent auf die Hilfe von draußen zu warten…
2 Kommentare:
Hallo Polina, klar erinnere ich mich noch an Albi M... war ne coole Zeit, die wir da hatten ;-) und dein Dossier über Kreativitätstechniken habe ich auch immer noch! Habe mich voll gefreut, als du mir das geschickt hattest... was hast du so lange in Kenia gemacht?! Sehr spannend, werde mal in Ruhe deinen Blog lesen müssen! Kann bei XING leider keine Nachrichten senden, daher auf diesem Wege ;-)
LG Christina
schreibe mir doch direkt eine Mail: polina.voytovych@gmail.com
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