Montag, 28. Dezember 2009

Grundsätze der deutschen Entwicklungspolitik oder wie ich Entwicklungshelferin geworden bin



Mein Leben lang suche ich DIE Wahrheit. Seitdem ich denken kann, suche ich DIE Werte, die einen guten Mensch ausmachen. Ich bin sehr dankbar in Deutschland gelebt und meine Freunde kennen gelernt zu haben. Sie haben mir viel über die menschlichen Werte beigebracht. Ich bin sehr dankbar für die Zeit in Kenia und meine Erkenntnisse dort.
Nun geht mein Weg weiter. Im Oktober wurde ich vom DED (dem Deutschen Entwicklungsdienst) für eine zweijährige Mission in Tadschikistan ausgewählt. In einer kleinen Stadt im Süden Tadschikistan – Kurgan Tjube, – die nah an der usbekischen und afghanischen Grenze liegt, werde ich bald leben und arbeiten. Im Auftrag der deutschen Regierung werde ich dort ein Mikrofinanzverband beraten. Als Ziel habe ich mir eine positive Entwicklung meiner Region Chatlon vorgenommen. Ich will mit eigenen Augen sehen, dass es den Leuten nach zwei Jahren meiner Arbeit besser geht.

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An dieser Stelle möchte ich dich zum einen kleinen Exkurs in die Grundsätze der deutschen Entwicklungspolitik entführen.
In der deutschen Regierung gibt es ein Ministerium – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeitund Entwicklung – BMZ, das die Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländer verantwortet. Diesem Ministerium unterstehen folgende vier Organisationen:
DED – Deutscher Entwicklungsdienst (die Organisation, die mich nach Tadschikistan entsendet). Diese Organisation agiert auf Meso- und Mikroebene und unterstützt durch Entsendung deutscher bzw. internationaler Fachkräften die Unternehmen und Organisationen in den Entwicklungsländern. Ferner stellt DED Finanzmittel den Partnerorganisationen im Land zur Verfügung. Entsandte Fachkräfte (wie ich) arbeiten direkt bei den Partnerorganisationen im Land und sind den einheimischen Führungskräften unterstellt (ich werde beim Verband arbeiten und werde an den Geschäftsführer des Verbands berichten, also, er wird mein Chef sein). Gewöhnlich gibt es eine DED Zentrale in der Hauptstadt des jeweiligen Landes. Meine DED Zentrale befindet sich in Duschanbe. Von da aus werden alle Projekte im Land koordiniert. DED Landesdirektor trägt Verantwortung für die entsandten Fachkräfte und ist der Ansprechpartner in allen Angelegenheiten. DED Zentrale arbeitet eng mit deutscher Botschaft zusammen, so dass DED in allen kritischen Situationen rechtzeitig darüber informiert wird, und wie jede Botschaft, verfügt auch die deutsche Botschaft in Duschanbe über Krisenpläne… Nur für den Fall der Fälle. Ich gehe natürlich davon aus, dass die Situation im Land stabil bleibt und wir keinen Gebrauch davon machen werden.
GTZ – Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit. Das sind die McKinseys der Entwicklungshilfe. Fachkräfte, die für diese Organisation arbeiten, werden meistens auf Makroebene (zum Teil auch auf Mesoebene) eingesetzt und beraten Regierungen und Ministerien. Die Tätigkeit dieser Gesellschaft wird oft kritisiert, da die Fachkräfte genauso wie die Regierung des Landes abgehoben sind und wenig von den Problemen vor Ort Kenntnis haben. Sie sitzen meistens in schönen, klimatisierten Räumen und kriegen vom echten Leben nur bedingt mit. Zudem kann man die Entlohnung der GTZ-Leute mit Leuten von DED nicht vergleichen. Aber das ist nur eine Anmerkung am Rande. Bei dieser Tätigkeit geht es nicht um Geld, sondern um die Idee.
CIM – Centrum für internationale Migration und Entwicklung. Diese Organisation entsendet deutsche und EU-Fachkräfte ins Ausland, geht dabei keine Verpflichtung mit den entsandten Kräften ein, im Gegensatz zu DED und GTZ. CIM-Leute unterschreiben ihren Vertrag mit Organisation vor Ort, bekommen ortsübliche Entlohnung und dazu eine Ausgleichprämie von CIM bezahlt.
InWent – Internationale Weiterbildung und Entwicklung. Diese Gesellschaft übernimmt die Aufgabe die zu entsendende Fachkräfte auf ihren Einsatz im Ausland vorzubereiten. Seit Jahrzehnten existieren Vorbereitungszentren, in den die Fachkräfte wohnen und an Kursen aller Art teilnehmen. Ein solches Zentrum liegt nahe Bonn in einem kleinen verschlafenen Städtchen Bad Honnef, in der ehemaligen Mauser Villa, am wunderschönen Rheinufer.
Die letzten vier Wochen habe ich in diesem Zentrum verbracht. Aber ich fange von vorne an.

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Nach einem rührenden Abschied von meinen Freunden, meinen Mitbewohner und KaiserWG habe ich alle meine Sachen gepackt und in einen Mietauto gesteckt. In München losgefahren und spät abends in Bad Honnef abgekommen. Die Leute, die mir in Fluren über den Weg liefen, fand ich ganz furchtbar und war total traurig hier gelandet zu sein. Aber das Zimmer war schön, mit Blick auf Rhein. Und am kommenden Morgen wartete auf mich eine Überraschung- Leute aus meinem Kurs! Je mehr ich sie kennen lernte, desto mehr schloss ich sie in mein Herz. Ich hoffe, mit einigen werde ich für immer Freunde bleiben.
Und was lernt man in so einem Zentrum (außer außergewöhnliche Menschen)? Na, viele Sachen. Die ersten zwei Wochen waren den allgemeinen und DED internen Themen gewidmet. Die darauf folgenden Wochen verbrachten wir mit Themen wie interkulturelle Handlungskompetenz in Osteuropa und Zentralasien (in der ich eher Wissen über Sowjetunion und postsowjetische Gesellschaft weitergab), wie Geschichte und Politik von Tadschikistan, wie Islam und Capacity Development (das letzte frag mich bitte nicht, was das ist, ich hab selber nicht verstanden).
Jetzt habe ich Ferien, die ich bei meiner Familie in Kiew verbringe. Im Januar kehre ich nach Bad Honnef zurück. Bis Februar werde ich Tadschikisch (Farsi mit russischen Alphabet ;) lernen. An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei meinen lieben Mitbewohnern ganz ganz herzlich für die tollen Abschiedsgeschenke bedanken: sowohl die tadschikische Fahne als auch die tadschikische Grammatik waren bereits und sind immer noch schwer im Einsatz! Danke euch!
Nachdem ich auf meinen Einsatz vorbereitet werde und alle meine Sachen gepackt habe, geht’s nach Duschanbe. Dort, in DED Zentrale, findet noch ein Monat Vorbereitung. Und dann geht’s nach Kurgan-Tjube bzw. Qurghonteppa.
Mein Abflugdatum nach Tadschikistan steht noch nicht ganz fest. Voraussichtlich werde ich am 13. Februar mit Somonair von Frankfurt nach Duschanbe fliegen. Ob sich die Daten noch ändern – i will keep you informed!
Bis dahin übe ich fleißig die Sprache, packe schon mal warme Sachen ein und überlege, wie ich Internetleitung zu mir legen kann. Falls du ne Idee hast, bin ich dir sehr dankbar!
Erste Woche Februar habe ich frei. Diese Zeit möchte ich nutzen um dich, mein Liebes, zu besuchen!
Ich hoffe, ich sehe dich bald!
Bleib gesund und zufrieden! Sei glücklich!
Denke an dich!
Deine Polina

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